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Besuch bei den Osispun

Als sie aus der Bibliothek treten und Kenneks Fröhlichkeit hinter sich lassen merkt Tashi, wie erschöpft er ist, wie unwohl er sich in dieser Stadt noch immer fühlt - nach all der Zeit, die seit den Vorfällen am Galgen vergangen war. Er seufzt, dann blickt er Laranea an und sagt: „Wir sollten jede Minute nutzen und uns schnellstmöglich auf den Weg zum Stadtviertel der Osispun machen." Aber in seiner Stimme schwingen Zweifel mit - oder ist es Unsicherheit?

Laranea blickt auf ihre hellgrauen Wildlederstiefel herab, hebt ihren weißen, mit Hermelinfell abgesetzten Mantel so hoch es die Würde einer Priesterin erlaubt, und versucht einen erhabenen Gesichtsausdruck auf ihr leicht verstörtes Gesicht zu legen. Sich bei Tashi einhakend schreitet sie nach besten Möglichkeiten neben ihm einher. "Nun ja. Dann laßt es uns so schnell als möglich hinter uns bringen, mein Herzog. Diese Stadt wiedert mich an!"

Sie kommen der kleinen Stadt näher. Jenem Ort, der hinter einer Mauer kleine Häuser an kleinen Straßen für die kleinen Osispunk verbirgt. Das Tor zur kleinen Stadt wird von zwei gelangweilten menschlichen Wächtern bewacht. Glücklicherweise sind es Staddtwachen, nicht Ritter der Hand.

Da man ja schon so einiges gehört hat, verbirgt Laranea erstmal alle leicht beweglichen Teile wie Geldbeutel, Amulette etc. sicher unter der Kleidung. Dann, auf die Wachen zutretend, sagt sie: "Alle rechtschaffenen Götter zum Gruße, meine Herren. Dem ehrenwerten Herzog Tashi von Trenai begehrt es, diesen Teil eurer wunderschönen Stadt betreten zu dürfen. Vielen Dank!"

Tashi, auf seinen Bogen gestützt, der immer mehr als Stütze denn als Waffe dient, betrachtet nachdenklich die Mauer, die beiden Wachen und fragt sich noch, wie sie wohl in diesem Wirrwarr an kleinen Gassen jemals einen bestimmten Osispun finden können als Laranea schon ihre Bitte an die Wachen richtet. Er brummt leise eine Bestätigung.

Die Wache sieht die beiden etwas verwirrt an.
"Habt ihr eine Verabredung mit einem der kleinen Strolche?"

"Laßt das ruhig unsere Sorge sein, guter Mann. Es sollte euch zur Genüge gereichen, daß gewisse Geschäfte, die euch nicht interessieren, uns hierher führen." Und damit tritt Laranea vor um die Wachen zu passieren. "Kommt Herr Tashi."

"Hey hey, kein Grund gleich giftig zu werden. Wir stehen hier nicht zum Spaß. Wir sollen nur verhindern, daß nicht irgendwelche Rowdies hier reinkommen."
Sein Kollege mischt sich ein: "Aber wenn ihr schon hier Ärger machen wollt, dann könnt ihr auch gleich draußen bleiben." und hält seine Partisane in den Weg.

"Wollt ihr damit sagen, daß wir aussehen wie `Rowdies` meine Herren. Also, das ist ja wohl fast der Gipfel an ....."
Laranea greift zu ihrem Geldbeutel ...
"Aber gut. Ich weiß schon, worauf ihr hinauswollt. Man hört ja immer wieder davon ..."
... und zeiht zwei Silberstücke hervor, die sie einem der Wachmänner entgegenhält.
Zu Tashi gewandt sagt sie: "So, das wäre ja nun wohl geklärt."

Die Wachen sehen sich kurz an, grinsen und nehmen das Geld. Die Partisane wird wieder hochgehalten und der Weg ist frei.

Hoch erhobenen Hauptes und so würdevoll dies geht, geht´s durch das Tor. Dann blickt sich Laranea ein wenig unsicher um und schaut zu Tashi.
"Mein Herzog, was nun? Sollen wir in einem Gasthaus nach unserem Zielobjekt fragen? Ihr könntet euch dabei bei einem Glas Wein ein wenig ausruhen ..."

Tashi nickt Laranea dankbar zu, doch dann bleibt er stehen. „Warte! Deine jugendliche Forschheit war bei den neugierigen Wachen vielleicht angebracht, aber wir suchen jemanden, der in der Kunst des PSI bewandert ist oder zumindest Freunde hat, die diese Art der Magie zu nutzen verstehen. Wir hingegen jedoch nicht. Und ich fürchte, dass wir hier ohnehin nicht sehr willkommen sind, und erst Recht nicht, wenn wir zu fordernd auftreten. Aber ein Gasthaus bleibt ein Gasthaus, in dem unsere Münzen erwünscht sind, nicht wahr? Probieren wir unser Glück - und fragen beiläufig nach „unserem Osispun." Tashi wendet sich suchend um.

Bereits nach den ersten Schritten in der kleinen Stadt wird den beiden klar, daß die Osispun sehr viel Wert auf Ordnung legen. Darüberhinaus ist es wirklich eng hier, denn die Kinder Ispuns haben den geringen Platz, der ihnen zur Verfügung steht, so weit wie irgend möglich ausgenutzt.
Alle Osispun, die sie sehen, sind sehr geschäftig, nicht daß viele zu sehen sind, denn die Meisten arbeiten in der groen Stadt.
Die einziegen, die hier vielleicht rumlungern, sind Kinder und Gelehrte, die mit ihren Schülern jedoch nicht im Winter draußen sein werden.

Dienstbeflissen tritt Laranea auf den nächstbesten Osispun zu, dem sie begegnen.
"He da, kleiner Mann! Wo bitte finden wir für den Herzog Tashi und mich das beste Gasthaus vor Ort?"

Das angesprochene Kind blickt Laranea an und rennt weg.

„Nun, mir scheint, wir müssen unsere Suche selbst in die Hand nehmen." Tashi hält Laranea einladend den gebeugten Arm hin und nachdem sie sich eingehakt hat, biegt er in eine der größeren Strassen, die von dem Tor aus in das Viertel führen, ein, den Blick aufmerksam nach links und rechts schweifen lassend.

Nach den ersten unsicheren Schritten im Osispun-Ghetto merkt man Laranea an, daß sie sich sichtlich wohler in diesem Stadtteil fühlt. Sie lächelt Tashi an und spaziert, offenbar stolz darauf bei einem Herzog eingehakt sein zu dürfen, durch die Straßen.
"Also, Herr Herzog, habe ich euch schon von den Amalania-Rosen erzählt, die ganz besonders im Herbst ........"

Es gibt tatsächlich um diese Uhrzeit keine Gaststätte, die offen hat und vor allem gibt es vermutlich keine Gaststätte, in die zwei Menschen wirklich hineinpassen würden.

Tashi versucht, den begeisterten Worten von Laranea seine Aufmerksamkeit zu schenken, aber schon nach wenigen Sätzen merkt er, wie seine Gedanken in die Vergangenheit abdriften, zu Rolof, seinen Erzählungen von Xpoch - der Stadt mit seinen Straßen aus Gold - und der Wirklichkeit, die sie damals nur zu schnell einholte . . . er unterbricht Laranea mitten im Satz: „Entschuldige, aber ich denke, wir sollten uns nach einer anderen Informationsquelle umschauen. Auch wenn Xpoch kein von den Göttern gesegneter Ort wie Euth ist, so wird es doch auch hier Menschen und Osispun geben, die zu ihren Göttern beten wollen. Lass uns nach einem Tempel fragen - einem, der eine hohe Decke besitzt." Und mit einem leicht verschmitzten Lächeln dreht er sich um und fragt einen der vorbeihastenden Osipsun nach einem solchen.

Erst der zweite Osispun bleibt stehen, obwohl er auch etwas erschreckt aussieht.
"Ihr sucht eine Knam? Die ist natürlich im Zentrum."
Dann blickt er euch noch einmal groß an und geht weiter.

Tashi wendet sich an Laranea: „Sagt dir Knam etwas? Nennen die Osispun in Euth ihre Tempel ebenso?" Dann seufzt er kurz, holt tief Luft und geht langsam die Strasse hinunter, wo er das Zentrum des Viertels vermutet. Laraneas Hand haltend. Nach einiger Zeit wird er sich dessen wohl bewußt, denn er läßt sie, fast bedauernd, los.

Es dauert nicht lange, und das Zentrum ist erreicht, oder das, was man dafür halten könnte. Hier steht, zwischen anderen Gebäuden eingeklemmt, die Knem, nicht größer, oder schöner, als andere Häuser, nur mit zwei Säulen versehen und einem großen Tor, daß sie von den anderen Häusern abhebt. Das Tor ist immerhin so hoch, daß ein Mensch (oder Halbelf) erhobenen Hauptes hindurchgehen könnte - wenn es denn offen wäre.

Tashi klopft.

Kurze Zeit nach dem Klopfen geht die Tür auf und ein schlicht gekleideter Osispun mit einem gut gestutzten Bart und seinen Haaren auf dem Kopf hochgesteckt sieht die beiden Großen mit weiten Augen an. Er zögert einige peinliche Momente, bis er zu sprechen beginnt: "Verzeiht mein zögern, aber mit euch hatte ich nicht gerechnet. Was kann ich für euch tun?"

„Mein Name ist Jondalar, mein Begleiterin ist die ehrenwerte Laranea von Gernicken. Wir haben eine weite Reise hinter uns um einem seltsamen Zwischenfall in unserer Heimat nachzuspüren, in den ein Osispun verwickelt war." Er zögert einen Augenblick. „Seine Spur führte nach Xpoch und wir hatten gehofft, dass Ihr uns vielleicht weiterhelfen könnt - hier in diesem Stadtviertel, der für uns so fremd ist. Bitte."

"Es ist nicht so, daß ich euch nicht helfen möchte, aber ihr müßt verstehen, daß wir ein wenig vorsichtig mit euch großen Leuten sind.
Um was für einen Vorfall handelt es sich und wieso glaubt ihr, daß gerade ich euch helfen kann?"

„Warum wir uns gerade an Euch wenden? Die Unwissenheit um eure Gepflogenheiten hier in Xpoch, die ganz andere sind als in Euth, führten uns fast zufällig zu Euch. Aber entschuldigt, müssen wir dies hier draussen auf der Strasse besprechen?"

"Also ich habe nichts zu verbergen." Er blickt hinter euch. "Und ich sehe niemanden, der euch gefährlich werden könnte." Einen kleinen Augenblick überlegt er und grummelt dann in seinen Bart "oder zumindest niemanden, der einen Grund dazu hätte."
"Wenn euch die Angelegenheit so wichtig ist, dann könnt ihr mir schon etwas mehr anvertrauen, bevor ich mich mit zwei großen Leuten an einen Ort begebe, an dem ich vielleicht allein mit ihnen bin."

"Ihr wollt damit doch wohl nicht zum Ausdruck bringen, daß der Herzog und ich auf euch den Eindruck machen als hätten wir unlautere Absichten. Ihr könnt gewiß sein, daß unsere Nachforschungen einem rechtschaffenen Zweck dienen, denn der Baumeister des Stabordens aus Euth selbst hat uns damit beauftragt."
Laranea setzt ihre indignierte Miene auf.

"Mein liebes Kind. Ich will nicht unterstellen, daß der Herzog irgendwelche unlauteren Absichten hat. Wir hatten schon Könige in diesem Viertel, die keine Unlauteren Absichten verfolgten.
Aber wir sind hier im Königreich Xpoch und nicht in Euth. Ich habe Verwandte in Euth, und sie erzählen mir immer, daß es sich sehr angenehm in Euth leben läßt.
Aber dies ist nicht Euth und die Befehle, Aufträge und Ansichten von irgendwelchen Regierungen im Ausland haben hier keine Bedeutung.
Wenn ihr mir also nichts erzählen wollt, dann wünsche ich euch einen guten Tag und hoffe für euch, daß ihr jemanden findet, der euch eure Fragen beantworten könnt, ohne daß er etwas darüber weiß"
Damit dreht er sich um. und macht sich auf, die Tür wieder zu schließen."

Laraneas Stab schnellt vor und platziert sich zwischen Türblatt und Zarge.
"Einen kleinen Moment, bitte, werter Herr! So lassen wir uns nicht abspeisen. Höflichkeit ist keine Frage der Nationalität, und ihr seid international unverschämt.
Aber wenn ihr es wissen wollt, wir sind auf der Suche nach einem Artefakt, das gestohlen wurde, und Herr Tashi kann euch das Aussehen des Diebes beschreiben."

"Mein liebes Kind." Seine Stimme zeigt Angst, aber auch Verärgerung.
"Ihr wollt doch kein neues Pogrom beginnen, nur weil ich euch keine Antwort gegeben habe. Es ist nun so, daß ihr mir ja anscheinend doch euer Begehr nennen konntet. Ich weiß aber leider nichts über ein Artefakt, daß irgendeinem Menschen gehören könnte."
Inzwischen gehen einige Fenster auf und aus einem sieht eine Frau heraus:
"Habt ihr Probleme mit den Gaun, ehrwürdiger Indohn? Soll ich die Hannan holen?"
Der alte blickt zu der jungen Frau hoch, faßt den Stab an und fragt leise:
"Mein liebes, energisches Kind, habe ich Probleme mit euch?"

"Wenn ihr noch einmal die Behauptung aufstellen wollt ich sei euer Kind, was ich wahrlich nicht bin, ehrwürdiger Vater, so vielleicht. Da wir aber, im Gegensatz zu euch, zivilisierte und höfliche Menschen sind, habt ihr natürlich kein Problem mit uns."
Und damit entfernt sie den Stab und wendet sich verärgert von ihm ab.
"Kommt Herr Herzog. Ich weiß doch nicht, ob wir hier richtig sind. Unverschämte Bande!"

Der alte sieht sie noch einmal großäugig an und murmelt dann etwas, was wie: "Verrückte, unerzogene Gaun" klingt und schließt die Tür. Auch die Frau, die zuvor noch aus dem Fenster gerufen hatte, schließt sehr hastig ihr fenster und ist nicht mehr zu sehen.
Dafür tauchen jetzt aus einem Schatten zwei Osispun auf, die wenig beeindruckt von der Größe der beiden Fremden zu sein scheinen. Sie sind noch jünger, wohl auch bürgerlich, aber auch schon gesetzt genug, um einen kleinen Bart um Backen und Mund zu haben. Sie sehen zu euch rüber. Schließlich sagt der eine:
"Wer unseren Tern beleidigt sollte lieber gehn. Ihr großen habt hier sowieso nichts verloren, und wenn sich das rumspricht, mit wie wenig respekt ihr mit dem Tern umgegangen seid, wird man höchstens noch vor euch ausspucken. Geht dahin zurück, wo ihr herkamt und brüstet euch dort mit eurem Abenteuer in der kleinen Stadt."

"Also, wirklich beliebt scheinen wir uns hier bislang jedenfalls nicht gemacht zu haben. Vielleicht sollten wir unsere Taktik etwas ändern, Herr Tashi. Was schlagt ihr vor?"
Laranea schaut Tashi erwartungsvoll an.

Zu schnell ging für Tashi der Schlagabtausch von Worten zwischen Laranea und dem Tern als dass er hätte eingreifen können. Zu lange liegt die Zeit der Jugend und mit ihr die des überschäumenden Temperaments bereits zurück. Vielleicht war es aber auch wieder diese Vergangenheit, die ihn mit all ihren Erinnerungen einzuholen drohte und erst das Auftauchen der beiden Halbstarken vermochte ihn daran zu erinnern, wie gefährlich diese Stadt sein konnte.
Nun tritt der Halbelf vor, trotz des leicht gebeugten Ganges noch immer von großer Gestalt. „Ihr mögt meiner Begleiterin ihre vorschnellen Worte noch einmal entschuldigen. Es lag zu keinem Zeitpunkt in unserer Absicht, Euren ehrenwerten Tern zu beleidigen. Auch sind wir nicht zu Euch gekommen, um uns später daheim mit diesem Besuch zu brüsten. Würdet Ihr mein Bild über Euer Volkes bestätigen und beim Tern klopfen, damit er unsere Entschuldigung annimmt?" Bei den letzten Worten trifft sein nun sehr harter Blick Laranea. Und dieser Blick erwartet eine Antwort.

Die beiden Osispun mittleren Alters blicken Tashi unmißverständlich an. Es gibt hier keine Freundschaft zu den großen Leuten und auch keine Gefallen, es sei denn ihr Leben hänge davon ab, was es jedoch meistens tut, da die Xpochler ein denkbar feindliches Bild von den Osispun haben.
Deshalb geht der eine der beiden zur Tür und klopft.
Kurze Zeit später öffnet erneut der Tern die Tür und blickt euch erstaunt an.
"Oh, wollt ihr mir diesmal mehr erzählen?"

„Wir möchten uns für die unbedacht ausgesprochenen Worte entschuldigen," und wieder ein Blick zu Laranea, „und es stimmt ebenfalls, dass mein Titel hier keine Bedeutung hat. Meine Gefährtin hat es bereits gesagt, wir suchen ein Artefakt. Seine Macht, in den falschen Händen, wird nicht nur uns Große unterwerfen, sondern auch Auswirkungen auf Euer aller Leben haben, so fürchte ich. Mit seiner Hilfe lassen sich nach unserem Wissen Dämonen beschwören. Warum wir damit zu Euch kommen? Ein Osispun war bei dem Diebstahl beteiligt und seine Spur führte nach Xpoch. Und da ich denke, dass Ihr so wenig wie wir Diebe und Mörder in Euren Reihen duldet, hoffen wir, dass ihr uns bei der Suche nach ihm helfen werdet." Die Rede hat Tashi anscheinend erschöpft, immer schwerer beugt er sich auf seinen Bogen und trotz der Kälte stehen einige Schweissperlen auf seiner Stirn.

"So, ein Osispun hat euch unrecht angetan. Da habt ihr natürlich recht zu mir oder einem meiner Rangesbrüder zu kommen. Denn wo kommen wir hin, wenn Osispun Großen etwas zu leide tun."
Dazu lächelt er ein sehr trauriges Lächeln. Er tritt aus der Tür und verschließt sie hinter sich.
"Dann kommt in mein Haus ... vorsicht mit euren Köpfen."
Er führt die beiden direkt zu dem Gebäude neben dem Tempel und bittet sie hereinzukommen.
Nachdem er ihnen einen Platz und etwas zu Trinken angeboten hat, fragt er:
"Und was macht euch so sicher, daß der Osispun, den ihr verfolgt, zu meinem Sprengel gehört."

Tashi zieht behutsam den Kopf ein, trotzdem kann er es nicht vermeiden, ein oder zweimal gegen einen der niedrigen Deckenbalken zu stoßen, so dass er sich schließlich erleichtert niederläßt. „Nun, die Nachforschungen, die in Euth betrieben wurden weisen darauf hin, dass der Gesuchte in Xpoch Unterschlupf gesucht hat. Ob er aber zu Eurem Sprengel - verzeiht die Frage, aber um welche Art von Gemeinschaft handelt es sich dabei? - gehört, kann ich nicht mit Gewißheit sagen." Tashi blickt zu Laranea, ob sie sich noch an die genauen Worte des Baumeisters erinnern kann. „Was ihn auszeichnete war jedoch die Verwendung von PSI - wahrscheinlich beherrscht er selber diese Art von Magie. Wie häufig findet sich in Eurem Volk diese Begabung?"

"Was meint ihr, um was für eine Gemeinschaft es sich hier handelt? Wir sind die Osispun in Xpoch. Die meisten sehen den unterschied zwischen uns und den Großen einfach nur in unserer Größe, aber es ist mehr. Wir folgen auch unserem eigenen Glauben, fals ihr dies nicht wissen solltet.
Nun zu eurer anderen Frage: Ich weiß nichts von Psü oder etwas ähnlichen. Wir Osispun sind nicht dafür bekannt, daß wir Magie-fähigkeiten besitzen. Aber ich denke, ich könnte bestimmt einmal herumfragen, ob jemand etwas ungewöhnliches gehört oder gesehen hat. Mir ist so, als wenn es da einmal einen Jungen gegeben hätte ..." Damit verfällt er für einen Moment ins Grübeln.

„Ich bitte Euch, wenn Ihr eine Vermutung oder einen Verdacht hegt, so sagt es uns! Denn ich fürchte, wenn wir versuchen auf Euren Straßen Nachforschungen anzustellen, so werden wir nur auf Schweigen stoßen. Wir sind zu groß und die Kontakte zwischen unseren Völkern zu belastet. An wen denkt ihr?" Tashis Stimme drängend, auch wenn er versucht, einen vorsichtigen Ton anzuschlagen.

"Ihr werdet verstehen, daß solche Dinge zwischen unseren Völkern heikel sind und ich sehr umsichtig vogehen muß. Daher würde ich euch bitten, euch mit mir in der Kneipe "Zum Werwolf" morgen vormittag zu treffen.
Allerdings hätte ich noch eine Frage und ich denke soviel Vertrauen solltet ihr mir entgegenbringen: Ihr selber" und damit wendet er sich Tashi zu, "nanntet euch Jondala, während ihr" und damit blickt er zu Laranea, "betitteltet ihn als Herog Tashi. Warum ist dies so und wie soll ich euch nun ansprechen. Ich meine, ihr seid mir im Vorteil, da ihr meinen Namen und meinen Wohnort kennt, ich aber nicht den euren."

Tashi nickt bedächtig. „Wir werden morgen im Werwolf auf euch warten. Zu meinem Namen: Beide Namen gehören zu mir, sowohl Jondalar als auch Herzog Tashi." Er seufzt, dann sagt er: „Doch hier in Xpoch hat mein Titel keine Vorteile für mich und ich genieße die Unbekanntheit, die mit dem Namen Jondalar einhergeht. Wenn Ihr also nach mir fragt, so werdet Ihr nur Auskünfte zu diesem Namen erhalten." Dann steht er vorsichtig auf, an der Tür dreht er sich noch einmal um und sagt zu dem Tern: „ich danke Euch für Eure Hilfe, schon jetzt." Nachdem sich die Tür hinter den beiden geschlossen hat wendet er sich an Laranea: „Nun, mir scheint, wir haben mehr Glück als Verstand gehabt." Dabei blickt er Laranea wieder so seltsam fordernd an.

Laranea schaut Tashi ihrerseits mit einem Blick, der leichte Unsicherheit verrät an, und mustert ihn eine Zeit lang, bevor sie spricht. Da sie aber wohl nichts relevantes aus Tashis Gesicht lesen konnte, fährt sie bemüht nüchtern fort.
"Das werden wir morgen wissen, mein Herzog. Bis dahin laßt uns beten, daß dieser Osispun unseres Vertrauens würdig war. Ich denke, wir sollten nun dieses Gasthaus aufsuchen und uns dort von den aufregenden Ereignissen des Tages erholen."
Dann hakt sie sich wieder bei Tashi ein, um den Rückweg in die Stadt der "Großen" anzutreten.

Und wieder ist dort dieses seltsame Verzögern der Bewegung, sei es, weil die alten Knochen für einen Moment den Dienst verweigern oder aus einem anderen Grund. Der alte Halbelf seufzt und während sie nun das Ghetto der Osispun verlassen, hebt er an: „Ich glaube, ich muss dir nun berichten, warum ich es vermeide, in Xpoch mit dem Namen Tashi angeredet zu werden. Es ist nun über 200 Jahre her, dass auf meinen Kopf eine Belohnung ausgesetzt wurde - hier in Xpoch." Er schweigt für einen Moment, dann spricht er hastig weiter. „Wir waren jung, meine Gefährten aus damaliger Zeit und ich. Einer meiner Freunde war Rolof - etwas zu unbedacht war er stets, schnell mit dem Schwert zur Hand - aber fallen die Gründe heute noch ins Gewicht? Kurz, Rolof sollte in Xpoch gehängt werden und das haben wir verhindert. Doch würde wohl noch heute für unsere Ergreifung und Auslieferung Geld gezahlt werden, wenn auch Rolof schon lange nicht unter uns weilt. Wie so viele . . .", gedankenverloren schreitet er neben Laranea her.

Zur angegebenen Zeit findet sich die beiden im Werwolf ein und halten ausschau nach dem Osispun.
Es ist viel los in der alten Kneipe, deshalb fällt es auch schwer, den "Kleinen" sofort zu entdecken. Aber schließlich sehen sie ihn mit zwei weiteren Osispun an einem Tisch ziemlich weit in hinten.

Tashi bietet Laranea einen Stuhl an, dann läßt er sich neben dem Osispun nieder. Er begrüßt ihn, wartet, bis die Kellnerin ihre Bestellung angenommen hat, dann fragt er: „Was könnt Ihr uns über den einen Osispun sagen, gegen den Ihr einen Verdacht hegt?" Sein Blick streift nun auch die beiden Begleiter des Tern.

"Erst ein mal ein herzliches Willkommen. Es freut mich, daß wir nicht umsonst diese Kneipe aufgesucht haben.
Wollt ihr euch vielleicht etwas zu Trinken bestellen? Wenn ihr dies tut, könntet ihr uns dann gleich etwas mitbestellen, die Bedienung scheint uns nicht zu sehen." Dabei lächelt er traurig.
"Nein, na dann kommen wir wohl gleich zum geschäftlichen. Ich habe ein wenig herumgefragt und mein Sprengel kannte tatsächlich einen jungen Mann, dem ungewöhnliche Fähigkeiten nachgesagt wurden. Sein Name war Nafa Shefod. Er verschwand vor zehn Jahren, um seine Talente, die ihn unpopulär gemacht hatten, zu erforschen. Er kam verschiedentlich wieder und schien tatsächlich fortschritte gemacht zu haben, zumindest hatte er sich besser unter kontrolle."

Laut rufend winkt Laranea die Kellnerin heran "Gute Frau, bitte bringt den Herren die Getränke, die sie zu trinken wünschen!"
Zu den Osispun "Nehmt es nicht für Ungut, aber sie muß euch wohl aufgrund eurer geringen Größe übersehen haben.
Nun aber zu diesem speziellen Osispun, wie sagtet ihr war sein Name noch gleich? Was waren diese besonderen Talente, und wie zeigten sich diese? Und wo ließ er sich darin schulen?"

"Ich weiß nicht viel über den jungen Mann. Wie gesagt, es ist etwas länger her, daß er zum letzten Mal bei uns war, ungefähr ein Jahr. Wo er ausgebildet wurde, weiß ich leider nicht. Aber es ist nun so, daß es einige unter uns gibt, die behaupten, daß sein seltsames Talent ihn nach Süden und Osten führte, bis hin in die Zaubererwüste. Woher sie es wissen, kann ich nicht sagen.
Außerdem hält sich das Gerücht, daß er nach seinem letzten Besuch Xpoch nicht mehr verlassen haben soll. Zumindest sagen dies diejenigen, die bei dem Massaker dabei waren." Er zögert einen Moment, prostet dann jedoch seinen Gegenüber mit den gelieferten Getränken zu.

"Wäre es vermessen, wenn ich euch nach diesem Massaker fragte? Worum handelte es sich dabei? Und habt ihr vielleicht eine Ahnung, wo wir den jungen Mann finden könnten?"

Er lächelt traurig.
"Und ihr kennt wirklich die Osispun? Was wisst ihr über unsere Geschichte? Was wißt ihr über das, was in Xpoch regelmäßig mit den Osispun geschieht?
Wenn ich von Massaker spreche, dann würde die Regierung und ein großer Teil der Bevölkerung in Xpoch von ethnischen Säuberungen sprechen.
Die letzte solche Säuberung war vor knapp 2 Jahren und es kamen 42 Mitglieder meines Sprengels dabei um. Unter ihnen auch der von euch gesuchte."

„Nein, wir wissen leider viel zu wenig über Euer Volk, aber dass Xpoch der falsche Ort für euch ist, dass weiss ich seit über 100 Jahren." In Tashis Stimme schwingen Bedauern, aber auch eine seltsame Distanz mit. „Aber sagt mir, wie kann es dann sein, dass er - wenn er es denn war - vor nicht einmal zwei Wochen bei dem Diebstahl half? Wie kann es sein, wenn er doch angeblich tot ist?"

Laranea fällt den beiden entsetzt ins Wort.
"Aber wieso laßt ihr dieses über euch ergehen, wer waren die Täter, und sind sie bestraft worden?
Warum verlaßt ihr nicht diesen ungastlichen Ort, wenn dies immer wieder zu geschehen scheint?
Kommt nach Euth, wie etliche eurer Schwestern und Brüder, man wird euch dort mit offenen Armen empfangen, und ihr werdet sicher sein vor solcherlei brutaler Verfolgung!"
Sie kann sich überhaupt nicht mehr beruhigen, steht sichtlich aufgebracht mit in die Hüften gestemmten Händen auf und blickt wütend in die Runde der Lokalgäste ....

Er lächelt traurig.
"Xpoch ist unsere Heimat. Die Familien leben hier schon seit vielen hundert Jahren. Euth mag ja vielleicht das paradies für die Osispun sein, aber freundlich werden wir dort auch nicht aufgenommen. Wir sind auch finanziell an diesen Ort gebunden, da wir handel treiben und uns viele Leute Geld schulden. Dazu kommt die Bibliothek in Xpoch ...
Nein, wir werden Xpoch nicht verlassen. Es ist unser Stolz, hier so lange ausgehalten zu haben, obwohl wir schon fast ausgelöscht worden wären.
Warum ich denke, daß dieser Mann euer Gesuchter ist, kann ich nicht genau sagen. Er ist der einzige, der unter uns jemals über ein bemerkenswertes Talent verfügt hat, die ihr als PSI bezeichnet. Und wie ihr sicherlich wißt, ist der Tot oft nicht das Ende."
Er kramt in einer Tasche und holt einen Schal heraus.
"Dies ist sein Morgenschal. Ich halte nicht viel von Magie und wir haben keine Magier unter uns, da unsere Religion uns die Ausübung der Magie verbietet. Aber ich weiß, daß ihr Großen für gewöhnlich keine Hemmungen diesbezüglich habt."

Laranea hatte gerade dazu angesetzt, der versammelten Gästeschaft des Lokales eine Standpauke über den Umgang mit Mitmenschen im allgemeinen und den mit Osispun im speziellen zu erteilen, doch glücklicherweise hält sie die ruhige, besonnene Art des Tern davon ab, und sie setzt sich wieder auf ihren Stuhl zurück.
"Nun gut, Magie hin, Schal her, verehrter Meister, doch wie soll uns das weiterhelfen? Und wozu auch? Ich verstehe nicht so ganz, was ihr mit dem Tod, der nicht das Ende sein solle, meintet. Natürlich gibt es den ewigen Kreislauf allen Lebens, und was vergangen ist, kehrt auch wieder zurück. Doch bestimmt nicht in der gleichen Form, oder gar mit dem selben Bewußtsein ..."

Der Osispun sieht Laranea erstaunt an.
"Wenn er schon nicht reinkarniert oder wiedererweckt wurde, dann könnte er auch als Untoter zurückgekehrt sein. Es gibt so viele möglichkeiten, wie man tot und doch lebendig sein kann.
Die Priester Ispuns haben mit diesen Sachen nichts zu tun, aber andere Priester oder auch Magier mögen dazu geneigt sein.
Und wenn ein Hund sogar anhand eines Gegenstandes jemanden zu finden vermag, dann wird Magie doch wohl auch dazu in der Lage sein."

"Ihr scheint trotz eures religiösen Verbotes eine Menge über Magie zu wissen. Und ihr redet, als wäre das Geschenk des Lebens durch die Götter eine alltägliche Sache, die sich ereignet wie das Säen und das Ernten des Getreides. Ich habe in meinem Leben noch keinen Wiedererweckten getroffen, geschweige denn, eine Wiedererweckung erlebt, obwohl meine Göttin dieses gewähren kann.
Dennoch, der Schal und die Magie scheinen unser einziger Anhaltspunkt zu sein, falls ihr uns nicht noch in einer anderen Form weiterhelfen könnt. Wir sind euch wirklich dankbar für eure Hilfe und hoffen, daß wir euch ebenfalls einmal von Diensten sein können, solltet ihr unserer Hilfe bedürfen."

"Ich gehöre zu den gelehrten meines Volkes, daher soll euch nicht verwundern, mit was ich mich bisher beschäftigt habe.
Ich danke euch für eure Zusage, aber bedenkt, was ihr versprecht, kann langfristige Folgen haben.
Ansonsten würde ich mich jetzt gerne mit meinen Begleitern zurückziehen."

"Die Zusage war ernst gemeint und ist wohl bedacht, Herr Tern. Nochmals vielen Dank und auf Wiedersehen."
Dann zu Tashi, nachdem die Osispun weg sind.
"Herr Herzog, sollten wir jetzt tatsächlich einen Magus aufsuchen? Und wenn ja, wißt ihr, ob wir hier einen finden könnten, der vertrauenswürdig wäre?"



Conjurers Gambit 2