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Aarons Suche

Die Tage vor Euth wurden für Aaron lang. Zu lang, denn er bekam Zeit zum Nachdenken. Wo zum Teufel war Lewinn geblieben? Hoffentlich war sie wirklich nur verzaubert gewesen und wußte nicht was Sie tat. Warum ist Sie jetzt weg? Hat Sie nun noch einen Nutzen für jemanden? Für wen? Sollen wir erpreßt werden? Wird er sie jemals wiedersehen?
Und was ist nun wieder los mit diesem Artefakt? Kaum hatte eine Sache ein Ende gefunden, kam eine neue, noch schlimmere auf. Hatte diese ganze Geschichte überhaupt jemals einen Anfang? An die Zeit auf dem heimischen Bauernhof mit Freunden konnte er sich schon nicht mehr richtig erinnern. Schon immer, so kam es ihm momentan vor, war er im Kampf gegen das Böse verwickelt. Von einem Ende traute sich Aaron sogar nicht mal mehr zu träumen. Dämonen und finstere Mächte waren nach seinen Erfahrungen der letzten Zeit hartnäckiger, als es die Menschheit wohl jemals sein könnte.
War vielleicht jetzt bereits alles verloren? Warum nicht einfach alles aufgeben? Worin bestand nur der Sinn im dem Ganzen? Oder gab es vielleicht doch noch Hoffnung?
Seine Freunde konnten ihm in dieser Zeit auch nicht mehr helfen, zu groß waren die Probleme die sie zusätzlich selber mit sich rumtrugen. Zu unklar die Gesamtheit der Geschehnisse.
Eines konnte vielleicht noch helfen.

Ohne sich bei seinen Freunden abzumelden stand Aaron eines morgens zeitig auf und machte sich auf den Weg nach Euth ... zum Tempel. Wenn es hier keine Antwort geben sollte, wußte er nicht mehr weiter. Wenn selbst die Götter ratlos sein sollten ...

Der große Tempel von Euth, mit seinem gewaltigen Glasdach, dem Turm, der eine Armee beheimaten könnte und den vielen kleinen Schreinen macht den Eindruck, als wenn man ihn nur zu einem einzigen Zweck gebaut hätte: Um die Ungläubigen zu beindrucken und die Gläubigen in Ehrfurcht zu versetzen.
Obwohl der Tempel dermaßen gefüllt ist, daß in den kleineren Gängen nur langsam voranzukommen ist, ist es eigentartig still.
Am Eingang warten immer ein paar junge Novizen, um den Hilfesuchenden beizustehen. Sie suchen den Kontakt, sprechen jedoch niemanden an, mit dem sie nicht zuvor Augenkontakt aufgenommen haben.

Wer jedoch nicht den riesigen Tempel betreten möchte, um seine Götter anzubeten oder die Hilfe eines Priester zu suchen, kann in Euth auch einen der vielen kleinen Tempel aufsuchen, die über die gesamte Stadt verteilt sind, zum Teil sogar in privaten Häusern untergebracht.

Aaron steht völlig überwältigt vor der gewaltigen Tempelanlage. So ein riesiges Gebäude hatte er seit damals, als er mit seinen Freunden in die Schwarze Festung eingedrungen war, nicht mehr gesehen. Diesmal ist der Anlaß zum Glück erfreulicher, denkt Aaron grimmig, wohlwissend, daß die Wahrheit, falls er sie erfahren sollte, unter Umständen auch wenig erfreulich sein kann.
Um Antworten auf Fragen zu bekommen ist er hergekommen, und als erstes stößt er auf neue Fragen. An wen soll er sich wenden?
Da die zahlreichen Novizen recht aufgeschlossen wirken, wendet sich Aaron einem recht freundlich aussehenden zu und fragt ihn: "Sagt, vielleicht könnt Ihr mir weiterhelfen. Ich suche Antworten. Glaubt Ihr ich kann diese hier finden? Könnt Ihr mir sagen wohin ich mich wenden muß, um die Weisheit zu erlangen, Dinge und Vorgänge zu verstehen, die sich mir momentan vollkommen verschlossen halten?"
Aaron ist zu diesem Zeitpunkt durchaus bewußt, daß die Hoffnung auf eine einfache Antwort wie: "geht einfach den dritten Gang rechts, da werdet Ihr sehen" sehr einfältig war. Aber was sonst sollte er tun...

Der junge Novize, den du angesprochen hast, wendet sich dir zu und lächelt dich an:
"Seid gegrüßt im Namen des Stabes und der Götter, denen dieser Tempel geweiht ist. Mein Name ist Rimir und ich hoffe, daß ich euch auf eurer Suche nach Weisheit weiterhelfen kann.
Sagt mir, Fremder, welcher Gottheit habt ihr euch denn verschrieben? Oder ist gerade dies das Ziel eurer Suche?"

Aaron steht einen Moment lang nur da. Ihm ist gerade klar geworden, daß er eigentlich schon die ganze Zeit genau wußte wonach er suchte. Nach Weisheit. Was liegt also näher als den Gott der Weisheit um Rat zu fragen? Langsam, noch in Gedanken vertieft beginnt er, dem Novizen eine Antwort zu geben: "Oh, entschuldigt. Seid auch Ihr im Namen der Götter gegrüßt. Mein Name ist Aaron, und ich bin ein Reisender, der lange Zeit unterwegs und fern der Heimat ist. Verzeiht meine Unhöflichkeit. Wenn man so lange außerhalb der Städte durch die Lande zieht, vergißt man allzuschnell die gute Schule. Dennoch, ja ich glaube ich weiß welcher Gottheit ich mich verschrieben habe. Der Gottheit der Weisheit gilt meine Suche. Könnt Ihr mir sagen, wohin ich mich wenden muß, um diesen Gott zu ehren."

Der Novize lächelt Aaron freundlich an und deutet mit der rechten den Weg.
"Macht euch keine Gadenken. Kommt es nicht auf den Weg an? eine Begrüßung ist eine Förmlichkeit, die sich schnell in dieser Welt verliert. Angenehm ist es mit ihr, ohne sie geht die Welt nicht unter.
Kommt mit, ich begleite euch zum Schrein Cuvxana.
Man findet ihn leicht, ist er doch sehr bescheiden und in den letzen Jahren nur wenig frequentiert.
Was macht euch so sicher, daß es Weisheit ist, die ihr sucht? Vielleicht sucht ihr auch Wissen?
Mein erster Eindruck von euch hätte mich vermuten lassen, daß ihr ein Mann der Magie seit?"

"Ihr fragt ob ich zum Gott der Weisheit möchte oder vielleicht doch eher zum Gott des Wissens. Meine Anwort ist, ich weiß es nicht. Ihr seht mich ratlos. Meine Liebe Lewinn ist verschwunden, mein Geist verwirrt, Antworten gibt es keine, Fragen um so mehr. Sagt: könnt Ihr mir raten? Und JA Ihr habt recht, ich bin ein Mann der Magie, auch wenn es keine alltägliche Form der Magie ist. Man nennt meine Fähigkeit psionisch. Ich weiß nicht woher und warum diese Fähigkeit zu mir gekommen ist, aber sie ist mir zuteil geworden. Manchmal frage ich mich ob es gut war... Aber sagt, warum fragt Ihr?". Fragend schaut Aaron den Novizen an

"Warum ich frage? Ihr seid auf der Suche nach Glauben, so scheint es mir, und die wenigsten, die den Glauben suchen, finden ihn in der Weisheit. Es ist leichter ihn bei den Dingen zu finden, die uns im alltäglichen begegnen.
Aber wenn ihr wirklich die Weisheit sucht, dann geht zu Cuvxana.
Wenn ihr jedoch auf die Magie setzt, dann wäre vielleicht Lerinias der richtige Gott für euch. Lerinias hat jedoch keinen Schrein im großen Tempel."

Lerinias sagt Ihr. Ich werde Eurer Erfahrung mit der Suche nach dem Glauben Vertrauen schenken und Eurem Vorschlag folgen. Mehr als je zuvor bin ich für gut gemeinte Anregungen dankbar. In dieser Situation besonders, wenn Sie von einem Mann wie Ihnen kommen, da Ihr ja offenbar schon zum Glauben gefunden habt.
Sagt, wie oder wo kann ich zu Lerinias beten, da er doch keinen Schrein in diesem Tempel hat. Und sagt, warum gibt es keinen solchen Schrein?

"Der Tempel von Euth ist auch ein Tempel der Orden, und nur die Götter, die an der Gründung des Ordens beteiligt waren, werden hier verehrt.
Den Gott, den ihr sucht werdet ihr in der Straße der großen Handwerke finden.
Kann ich euch sonst noch helfen?"

"Nein, Ihr habt mir schon sehr geholfen, vielen Dank."
Aaron verabschiedet sich höflich und verläßt dann eilig den Tempel und macht sich auf den Weg zur Straße der großen Handwerke.
"Hoffentlich finde ich hier wonach ich suche ...". Einen vertrauenswürdig erscheinenden Passanten spricht Aaron bald an: "Seid gegrüßt, mein Name ist Aaron und ich suche nach einem Schrein von Lerinias. Man sagte mir ich würde einen solchen hier finden. Wißt Ihr genau wo?"

"Lerinias? da seht ihr am besten im Tempel nach. Er ist doch keiner der dunklen Götter und sollte deshalb dort verehrt werden."

Erst beim dritten Passanten, der anscheinend ein wenig mehr Ahnung vom Tempel und den dort verehrten Göttern hat, erfährt Aaron, wo der Schrein ist.
Und es handelt sich tatsächlich mehr um einen Schrein als um einen Tempel. Allerdings ist dies von außen nicht zu erkennen, denn es handelt sich wohl schon um ein herrschaftliches Haus, welches den Ortsansässigen Magiern als Treffpunkt dient. An der Tür wird Aaron von einem Adepten empfangen, der etwas griesgrämig dreinblickt, weil er zur Tür gehen mußte. Allerdings führt er ihn ohne größere Umstände zum Schrein, der in einem kleinen Raum direkt neben dem Eingangsflur ist.
Er ist relativ schmucklos, nur mit einer dem Symbol des Gottes, ein paar magischen Zeichen und etwas Weihrauch versehen. Die Schmucklosigkeit des ersten Eindrucks täuscht jedoch, denn das, was dort zu sehen ist, ist nur aus den besten und edelsten Materialen gefertigt und Aaron spürt etwas, was er nicht zu deuten weiß.

Aaron kam um Klarheit zu finden, doch was er im ersten Moment empfindet, verwirrt ihn nur noch mehr. Da er nicht weiß was er jetzt eigentlich tun will, steht er nur da und schaut sich den Schrein genau an.
"Jetzt bin ich hier. Und jetzt. Jemand der so wenig in seinem Leben gebetet hat, hätte sich vielleicht doch etwas vorbereiten sollen. Wiedermal ohne Nachzudenken drauf los gestürzt. Was hast Du Dir hier eigentlich erwartet ...". Gedanken wie diese rauschen durch seinen Kopf. Aber irgendwas war in dieser Umgebung. Etwas, das ihn nicht verzagen oder enttäuscht werden ließ. Trotz fehlender Vorbereitung hatte Aaron doch das Gefühl, daß er das Richtige tat. Aber was nun?
Aaron beginnt in sich hineinzulauschen. Er versucht zu ergründen welche Emotion nun seine Verwirrung so steigert... was geht hier vor sich?

Aus dem Schatten neben dem Schrein erscheint ein ältlicher Mann, der das selbe Symbol um den Hals trägt, wie der Adept, welcher Aaron in Empfang nahm.
"Du siehst so aus, als wenn du etwas suchen würdest. Vielleicht kann ich dir helfen. Mein Name ist Thralaug Kraba, aber du kannst mich Kraba nennen."

Aaron schrickt aus seinen Gedanken auf. "Seid gegrüßt ... mein Name ist Aaron" sagt er nach einer Weile der Verwirrung. "Ihr habt recht. Ich suche tatsächlich etwas. Laßt es mich so ausdrücken, ..., ich suche mich selbst. Im Zuge der Ereignisse der letzten Jahre habe ich alles verloren, was mir wichtig war. Mein Zuhause, die Sicherheit eines friedlichen Lebens, meinen Glauben an eine hoffnungsvolle Zukunft und den Menschen den ich liebe.
Nun stehe ich hier, vor den Scherben meines Lebens und weiß nicht weiter. Ich besitze außergewöhnliche Fähigkeiten und weiß nicht warum. Gebracht haben sie nichts. Ich habe außergewöhnliche Taten vollbracht und Freunde die noch viel überwältigender Dinge geleistet haben und geholfen hat auch dies alles nichts. Wir haben alles gegeben, nur um wieder vor einer noch aussichtsloseren Situation zu stehen.
Ich muß wissen warum das alles? Was kann ich tun? Gibt es einen Ausweg außer dem Tod für uns? Wozu das alles, wo es wohl doch sinnlos ist weiterzumachen? Warum ich? Und werde ich meine Liebe Lewinn wiederfinden? Aber ich will Euch nicht langweilen, verzeiht. Ich weiß auch nicht warum ich Euch das alles erzähle". Aaron senkt den Blick und schweigt ...

"Verzeiht, wenn ich es so direkt sage, aber ich glaube, ihr seid hier falsch. Die Magie kann zwar eine Zuflucht und eine Familie sein, aber nur, wenn man sich ihr verschreibt. Ich habe eher das Gefühl, was ihr sucht ist innere Einkehr und Meditation, beides Dinge, die einem Magier nützlich sein können, aber nichts, weswegen man den Gott der Magie ausucht. Was ihr sucht, ist entweder ein Lehrer, der euch bei eurer Suche unterstützt, eine neue Form von Gemeinschaft, die ich euch hier sogar anbieten könnte, wenn ihr tatsächlich bereit seid, der Magie zu folgen, oder aber die Zuflucht in einer Macht über euch. Ich denke, im Tempel seid ihr besser aufgehoben."


Conjurers Gambit 2