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Hirudos Auftrag

Chacota wartet fünf Wochen, bis seine Rüstung repariert ist, in der Zeit fasst er den Plan alleine nach Xpoch zu gehen; er verbringt derweil viel Zeit mit Shutha (Forum). Er bricht auf, die einwöchige Reise verläuft ereignislos, dann fällt er in den Slums auf. Er kommt in einem Wirtshaus unter und im Schutz der Dunkelheit begibt er sich zu Petaro. Doch ohne Vorauszahlung ist der alte Freund Yolandes nicht bereit, Chacota in die Stadt zu schmuggeln, für zu aussichtslos hält er Chacotas Rückkehr. Doch Petaro fragt ihn nach Yolande, er ist sehr überrascht übers Chacotas Berichte über die alte Freundin, er kann kaum glauben, was ihm Chacota berichtet. In der Nacht nimmt Chacota dann den alten Weg durch die Kanalisation ohne zu bedenken, dass dieser Weg inzwischen ebenso gut bewacht sein könnte wie die Stadttore. Er kommt nicht weit, nach wenigen hundert Metern wird er aufgegriffen, doch noch hofft Chacota, dass es sich um Schmuggler handelt und so unternimmt er nichts gegen die Gefangennahme. Erst als der Anführer des Trupps ihm die Handfessel hinter dem Kopf schließt und sagt, dass die Ritter der Hand ihn erwarten werden, erwacht er aus seiner Lethargie – fast zu spät. In letzter Minute gelingt es ihm, seinem Bewacher die Waffe zu entreißen und nach oben in das Nobelviertel zu entkommen. Sein Widerwille auf dieser Mission zu töten nun vorbei, fast hat er sich aufgegeben, denn er weiß, dass sein Eindringen nun stadtbekannt ist. Die Wachen des Nobelviertels haben keine Chance, ebenso wie die Höllenhunde Lord Gresgors; selbst dessen vierköpfige Leibwache unterliegt Chacota. Wie schon so oft kämpft er ohne Rücksicht auf Verluste und ohne sich den Rückweg frei zu halten. Noch einmal greifen ihn Wachen an – fast sinnlos ihr Tod.
Und dann wird Chacota von Lord Gresgor erwartet. „Du willst mich also töten?“
„Deshalb kam ich hierher.“
„Warum?“
„Ich gab mein Wort.“
„Wem?“
„Hirudo.“
„Und das alleine ist der Grund, dass Ihr als Mörder und Dieb in mein Haus schleicht? Er ist kein netter Vampir. Er tötete seinen Erschaffer, so etwas tut man in unseren Kreisen nicht.“
„Ihr seid ein Untoter, eure Lebenszeit ist schon lange abgelaufen.“
„Ach, und deshalb habe ich kein Recht an meinem Leben zu hängen?“
„Ich muss dieses Wort halten, denn es brechen hieße alles wieder in Frage zu stellen, was ich erreicht habe seitdem ich Hirudo mein Wort gab.“
Gresgor schüttelt den Kopf. „Wollt ihr denn nicht sehen, was euch aus geworden ist? Ihr müsst dies nicht tun.“
„Wie kommt ihr dazu mich beurteilen zu wollen?“
„Ich stelle Vermutungen an, ich beurteile euch nicht.“
„Lasst es uns hinter uns bringen.“
„Würde es helfen, wenn ich um mein Leben betteln würde?“
„Wir müssen das Gespräch hier beenden.“
„Wieso? Weil es euch umso schwerer fällt desto länger wir uns unterhalten?“
Chacota nickt.
„So kommt doch und tötet mich. Ihr könnt es nicht, nicht wahr? Wäre es besser, wenn ich euch mit einer Waffe entgegen trete?“ Er geht zum Bett, holt einen Säbel und stellt sich wieder an dieselbe Stelle. „Greift an, ich aber will nicht kämpfen“, und wirft die Waffe auf das Bett.
Chacota zögert noch einen Augenblick, dann wirft er sein Schwert daneben: „Ich kann nicht“.
In dem Moment geht eine Seitentür auf und Lord Gresgor tritt ein. „Nun, wo die Lage ungefährlicher scheint, mische ich mich ein.“ Er stellt den anderen als seinen Doppelgänger vor, den Hirudo ihm schenkte als Gegenleistung dafür, dass er Chacota und die Freunde einlud. Chacota begreift langsam, dass Hirudo ihn benutzte um ein schmutziges Geschäft einzuleiten, doch welches ist ihm noch verborgen.
„Warum habt ihr nicht versucht, meinen Doppelgänger zu töten?“
„Ich konnte es nicht. Es ist der falsche Weg - doch nun muss ich euch verlassen.“
„Ihr habt es vermutlich von vornherein gewusst – und seid dennoch gekommen.“ Gresgor schüttelt den Kopf. „Ihr wisst doch sicherlich, dass ohne mein Eingreifen schon längst die Wachen hier wären.“
„Warum ruft ihr sie jetzt nicht.“
„Weil ich in eurer Tat die Güte erkenne, die ihr selber nicht erkennen wollt und ich euch schätze. Ich kann euch helfen, die Stadt zu verlassen.“
„Ich werde es aus eigener Kraft schaffen müssen. Entschuldigt mich.“
„Ja, aber nur indem ihr sterbt oder von der Hand gefangen werdet.“
„Ich werde nicht erneut lebend gefangen werden.“
„Ihr wollt euch also töten, das nenne ich Selbstmord.“
„In keinster Weise. Ich habe eine Chance.“
„Ach ja? Und ich sage euch, ihr wollt euch aus der Verantwortung stehlen. Was bedeutet schon der Verlust eines kleinen Teils der Ehre, die mir persönlich sowieso lachhaft erscheint, gegen die große Aufgabe, die ihr im Leben habt. Ihr habt doch Familie, wollt ihr sie im Stich lassen? Eines Wortes wegen? Ihr seid verheiratet. Die Elfin schien sehr unglücklich zu sein. Aber auch sehr zielstrebig, wenn sie es schaffte euch zu ehelichen.“
„Ich versprach ihr Treue bis in den Tod.“
„Welch dummes Versprechen! Schenkt ihr lieber euer Leben, jetzt.“
„Ich muss jetzt gehen. Aber sagt mir noch, welchen Preis eure Hilfe gehabt hätte.“
„Ich wollte euer Wort, dass ihr mir einmal helfen werdet.“
Chacota lacht bitter auf. „Ihr wisst nun, was mein Wort wiegt! Nichts, gar nichts!“
Gresgor erwidert ruhig. „Ich würde nie eine solche Tat von euch verlangen, ich würde eure Ehre respektieren.“
„Wisst Ihr, ob Martes Pagun dort draußen steht?“
„Ich kann euch nicht sagen, ob er dort ist, aber glaubt mir, ihr würdet ihm nur zuarbeiten, wenn ihr dort hinausgingt. Ihr bekämt keine Gelegenheit ihn zu fordern, sie würden euch vorher überwältigen. Und Ihr würdet erneut in den Folterkammern landen.“
Chacota erwidert ruhig. „Ich lege keinen Wert darauf, das Turmzimmer wieder zu sehen.“
„Dann bleibt und lasst euch helfen! Versteht doch, es ging Hirudo nie darum, mich tot zu sehen, er wollte lediglich, dass ihr hierher kommt. Warum, dass vermag auch ich nicht zu erahnen.“
Langsam begreift Chacota, dass Hirudo ihn ausnutzte, nie an der Einlösung seines Wortes interessiert war. Und so gelingt es den Worten Lord Gresgors ihn von der Sinnlosigkeit eines Kampfes zu überzeugen. „Ihr habt vielleicht Recht; ich werde bleiben.“
Lord Gresgor nickt: „Gut, dann werde ich jetzt hinausgehen und euren Tod verkünden.“
„Es ist komisch, immer wieder wechsele ich vom Leben zum Tod.“
„Unterhaltet euch darüber am besten mit meinem Doppelgänger.“
Der Doppelgänger setzt sich zu Chacota. „Es ist interessant, während ihr euch um eure Seele nach dem Tod sorgt muss ich mir überlegen, ob ich überhaupt eine besitze.“
„Warum nicht, ihr lebt, ihr habt Gefühle, hattet Angst um euer Leben.“
„Aber ich bin künstlich erschaffen worden, kann ein Gott einer solchen Maschine eine unsterbliche Seele schenken?“
„Nun, vielleicht kommt es darauf an, was ihr mit eurem Leben anfangt - was ist der Sinn eurer Existenz?“
„Ich habe Wünsche, Ziele im Leben, wenn auch gänzlich andere als ihr. Ich möchte mich bilden, Wissen sammeln.“
„Warum solltet ihr solche Wünsche haben, wenn es keine Seele in euch gäbe?“
„Ich weiß es nicht.“
Lord Gresgor kommt wieder. „So, das wäre geklärt.“
Chacota ist noch in Gedanken bei dem eben geführten Gespräch. „Was sind eigentlich eure Ziele im Leben, wenn es schon so lange währt?“
Lord Gresgor, so scheint es, hat die Frage erwartet, er lächelt leise: „Ich habe inzwischen aufgehört, an die Menschheit zu glauben, ich konzentriere mich darauf, mir das Leben so angenehm wir möglich zu machen.“
„Tut ihr denn gar nichts für die Menschen hier in Xpoch, gegen die Hand, ihr habt doch Einfluß in dieser Stadt!“
„Was sollte ich denn tun, eurer Meinung nach?“
„Den Menschen helfen!“
„Soll ich ihnen Freiheit schenken? Glaubt mir, sie würde sie nicht wollen! Geld? Wieviel Geld sollte ich ihnen geben?“
„Helft ihnen, für sich selbst entscheiden zu können.“
„Dafür bin ich nicht da, dass müssen sie selber machen.“
„Aber man kann ihnen dabei helfen!“
„Nein, die Illusion habe ich aufgegeben, Ihr vielleicht noch nicht.“
Gresgor bietet nun Chacota an, ihn zu einem beliebigen Ort zu transportieren - nur nicht zum Orden der Hand, er traut Chacota noch immer nicht. Aber der Paladin hat sich entschieden und so wird er von Gresgor in die mittleren Hügelstätte gebracht - zu Shutha . . .



Conjurers Gambit 2